Es begann eigentlich vielversprechend für uns. Aber das Antrittsgeschenk des Gastgebers in Form eines Kampflospunktes zum 1 – 0 für Grunbach an (Brett 1) wo Rainer Kindsvater tätig werden wollte, war bald aufgebraucht.
Bei seinem Debut als Ersatzspieler für Grunbach 3 fügte Stephan Schwarz an (Brett 8) seinem Gegner, Paul Ehrensberger, durch einen Tausch auf c3 einen Doppelbauer zu, aber damit auch die halboffene B-Linie wo er sich aber selbst die Verpflichtung auferlegte seinen B-Bauern verteidigen zu müssen. Es entstand in der Folge eine symmetrische, ausgeglichene aber sehr statische Stellung der französischen Abtausch Variante an deren Fortführung Paul Ehrensberger wohl keinen rechten Spaß fand und Stephan Remis anbot, was dieser in Anbetracht des großen DWZ-Unterschiedes von über 250 DWZ-Punkten und dem Gesamtspielstand von 1,5 – 0,5 für Grunbach gerne annahm.
An (Brett 4) bekam es Dieter Hahn mit dem Londoner System, der derzeitigen Modeeröffnung, zu tun. Er versuchte mit den ihm vertrauten damenindischen Denkmustern im Spiel zu bleiben. Aber ein sehr störender Springer auf e5 und zehn Jahre Schachpause machten sich schnell negativ bemerkbar. Ein Abtausch von drei Leichtfiguren auf e5 sollte seine Stellung konsolidieren, aber das Gegenteil war der Fall. Ein starker Damenzug seines Gegners, Patrick Tannhäuser, zeigte unverzüglich diverse Löcher am Königsflügel auf. Und um dort einen unschönen, aber guten Verteidigungszug zu vermeiden, entschloss er sich stattdessen am Damenflügel einen Gegenangriff zu starten. Leider ohne Erfolg, denn mit einem Qualitätsopfer öffnete Patrick Tannhäuser für seine Dame eine Diagonale auf den immer noch unrochierten König von Dieter der ohnehin fast keine Luft mehr zum Atmen hatte. Den Rest wollte er sich nicht mehr zeigen lassen und gab zum 1,5 – 1,5 auf.
In einer italienischen Partie bot Bernt Hildenstein an (Brett 5) bereits im 6. Zug ein Springeropfer an, das sein Gegner, Ghassan Helou, mit einem Gegenopfer auf f2 erwiderte. Diese Variante kostete Bernt zwar einen Bauern und das Rochaderecht brachte ihm aber eine Mehrfigur ein. Und nach einem weiteren Tausch einer Leichtfigur und der Dame, verblieb er mit einem Qualitätsvorteil, drei Mehrbauern und einer deutlich aktiveren Stellung. Den Rest wollte sich sein Gegner nicht mehr zeigen lassen und gab zum Zwischenstand von 2,5 – 1,5 für Grunbach auf. Wieder eine starke Leistung von Bernt.
Reiner Lenz an (Brett 2) unterschätzte die Kraft der vorrückenden Bauern seines Gegners, Benedikt Mayer, am Damenflügel. Seine eigenen Konterversuche im Zentrum kamen zu langsam und zu spät. Bei der Entscheidung wohin mit dem angegriffenen Springer griff er fehl. Statt a5, was nicht schön aussah aber richtig gewesen wäre entschied er sich für d8. Benedikt Mayer spielte seinen Angriff kraftvoll weiter und so fand der traurige, angegriffene Springer kein Feld mehr und ging verloren. Daraufhin gab Reiner zum 2,5 – 2-5 auf.
In der Partie von Ulf Hermann an (Brett 6) kam es zu einer Stellung, in der Ulf mit dem Isolani spielte, den sein Gegner gekonnt unter Druck setzte. Einen kleinen Augenblick der Unaufmerksamkeit von Ulf nutzte sein Gegner, Olaf Rohsgoderer, um durch geschicktes Spiel und einer kleinen Kombination einen Bauern zu erobern, der er im Endspiel sicher zum Sieg und zur erstmaligen Führung für Rainau verwertete. 2,5 – 3,5 für Rainau.
Jürgen Hammel an (Brett7) bekam einen Sizilianer aufs Brett. Sein Gegner, Johannes Götte, opferte einen Springer für zwei Bauern und damit Angriff im Zentrum. Trotz der Mehrfigur konnte Jürgen den entstandenen Entwicklungsnachteil im weiteren Spielverlauf nicht ausgleichen und musste sich schließlich im Endspiel den zwei vorrückenden, zentralen Freibauern beugen und dem Gegner zum Sieg gratulieren. Mit dem Zwischenstand von jetzt 2,5 – 4,5 war die Begegnung gegen Rainau verloren.
Als Letzter spielte noch Johannes Peper an (Brett 3), wo er erstmalig auf die Tarrasch Verteidigung traf, welche die bevorzugte und sehr vertraute Eröffnung seines Gegners Gerald Marek war. Der unterschiedliche Kenntnisstand sollte sich sehr bald zeigen. Im 15. Zug griff Johannes bei einem Bauernzug vor seinem rochierten König gewaltig fehl und fast unverzüglich zogen dunkle Wolken über seinem Teil des Schachbrettes auf, die sich bis zum Partieende im 55. Zug nicht mehr verziehen sollten. Das einzig Gute am heutigen Spiel von Johannes war, seine Findigkeit und Ausdauer im Verteidigungsspiel, die seinem Gegner immer mehr Bedenkzeit und Nerven kostete. Einen eigenen Vorteil aber hatte Johannes während der gesamten Partie nie. Gerald Marek jedoch spielte die ganze Partie hindurch druckvoll und bärenstark bis zum Schluss. Im 53. Zug jedoch, beide Spieler spielten schon seit einiger Zeit immer mit den letzten 2 Minuten ihrer Bedenkzeit, passierte Johannes dann doch ein kapitaler Fehler der zwingend zum Partieverlust führen musste. Das sahen auch alle noch verbliebenen Kiebitze so.
Und Gerald Marek spielte den ersten Zug auch richtig aber mit dem zweiten, (zu?) schnell ausgeführten Zug, sorgte er für den Bock des Tages und bei Johannes für ein sehr glückliches Remis sowie dem Schlusspunkt zum 5 – 3 Sieg für Rainau.
Wie recht doch Jeremy Silman mit seinem Ratschlag in seinem Buch „Schach, aber richtig“ hat:
Machen Sie niemals einen Zug schnell und gedankenlos. Dieser Zug stellt sich üblicherweise als derjenige heraus der Ihre Partie ruiniert.
Diesmal hat Johannes davon profitiert.
Johannes Peper